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Eine Nacht mit Freunden.

Kirche

Es war einer jener warmen Herbstabende, die man gerne noch dem Sommer zurechnet. Den ganzen Tag waren keine Wolken zu sehen gewesen, bis auf einige Federn, die in den letzten zwei Stunden wagten, den Schein der schwächer werdenden Sonne zu durchbrechen. Eine kleine Kapelle, deren Putz halb zerbröckelt war, stand weit unterhalb der Kuppe eines Hügels, auf dem ein Weg - halbwegs die Höhe haltend - vom Dorf zu ihr führte. Unmittelbar bei ihr befand sich im Schutz eines Walnußbaumes eine grob gezimmerte Bank, auf der ich saß und weinte. Das Tal breitete sich zu meinen Füßen aus, verlor sich zur Rechten in einer weiten Ebene und entzog sich links zwischen Almen und Bergen meinen Blicken. Mir gegenüber erhoben sich zwei Felsspitzen, die das dahinterliegende Plateau für den Betrachter hier unten weit überragten.


Schlern

Ich war vor einigen Tagen auf jener Hochebene und sah auf die Kegel hinab, überrascht wie klein sie in Wirklichkeit waren. Weit unten, wo die beiden noch verbunden waren, befand sich eine Ruine, die nun, bereits im Schatten, durch ihre weißen Steine aus Dolomit noch gespenstischer wirkte, als letzten Mittag, da ich sie - keine Stunde Fußweg vom Dorf entfernt - aufsuchte, um mich meiner Einsamkeit hinzugeben. Inzwischen zirpten Grashüpfer unermüdlich vor sich hin, um zusammen mit einigen Lerchen, die sich unerträglich fröhlich aus den mit Kornblumen, Mohn und Margeriten verzierten Getreidefeldern in den beginnenden Dunst erhoben, ein Loblied auf den beinahe vergangenen Tag zu singen, der offenbar allgemein als angenehm empfunden wurde.


So ließ ich nun von Zeit zu Zeit meinen leeren Blick schweifen: auf das Tal, die Ruine, die Berge, die weiter hinten frappierend an ein Pferdegebiß erinnerten und verzweifelte, daß ich nicht mehr geliebt wurde. "Eine Bekanntschaft, die mein Herz näher angeht", wie es Goethe so bemerkenswert unverbindlich formulierte, hatte sich von mir abgewandt.


Nachdem der erste Liebestaumel vergangen war, hatte ich versucht, all meine Energie in das erneute Aufflammen- wenigstens den Erhalt des derzeitigen Zustands - zu investieren. Doch alle Versuche rannen mir wie die inzwischen rotgoldenen Strahlen der Sonne zwischen den Fingern hindurch. Erfahren zu müssen, wie meine Versuche an ihm abprallten, ließen meine Bemühungen nur noch intensiver - oder besser: verzweifelter - werden, was ihn noch mehr entfernte. So ging es weiter, bis zum Bruch.


Auf einem großen Stein neben mir huschten zwei Eidechsen aus dem herannahenden Schatten in die letzten, nicht mehr wärmenden Strahlen des Taggestirns. Der beinahe volle Mond, der sein beruhigendes Licht nachts großzügig verbreitet, war an diesem Tag schon seit Mittag zu sehen, wenngleich er von dem strahlenden Herbsttag weitestgehend verdrängt wurde. Er stand fast am Zenit, während seine Mutter sich müde der Ebene zuneigte, Schatten die Berge hinaufkriechen ließ und die Federwolken kurz in einen Feuerschleier verwandelte, um bald darauf die Welt dem fahlen Schimmer ihres Sohnes zu überlassen.


Nachdem die Grillen und Lerchen verstummt waren, die Wolken nun grau in der Dämmerung hingen und die Ruine durch ihre künstliche Beleuchtung an Reiz verloren hatte, lief mir ein kalter Schauer über den Körper, was ich zuerst damit erklärte, daß sich inzwischen der wärmende Stern vor mir verbarg und vermutete, daß eine der Urlaubsbekanntschaften sich mir unbemerkt genähert hatte, um zu versuchen, mich zu trösten, denn ich hörte eine seltsam vertraute Stimme: "Sei nicht traurig, Peter; wir alle leben doch!"


Da sich meine Augen inzwischen an die Dunkelheit gewöhnt hatten und ich auch nach einigen suchenden Schritten niemanden finden konnte, der diese Worte gesprochen haben könnte, nahm ich an, daß ich mich getäuscht hatte und zog mir den Pullover an, den ich bislang um meine Taille gewunden hatte. Doch dann sah ich zu meinem Erstaunen, wie die Eidechsen, die eben noch die schwächer werdende Wärme, die von den Steinen ausging, genossen, direkt zu meinen Füßen im kühlen Gras standen und mich aus ihren gar nicht so starren Augen ansahen.


Nach einigen Augenblicken der Verwunderung nahm ich mir ein Herz, überwand meine Angst vor aufkommendem Wahnsinn und fragte unsicher: "Habt ihr das eben gesagt?"


"Ja, denn uns, den Lerchen, den Grillen, ja selbst dem Baum, den Blumen, dem Getreide und dem Gras tust du leid. Du bildest dir ein, die Natur zu mögen, vielleicht ansatzweise zu verstehen und weißt nichts vom ewigen Werden und Vergehen?"


"Ach," sagte ich "was wißt ihr schon von Ewigkeit, die man sich wenigstens erhofft! Ihr seid doch nur blöde Viecher und Pflanzen!" Für einige Momente schien die Welt stillzustehen: kein Hauch strich über die Felder, kein Geräusch, keine Bewegung konnte ich ausmachen. Selbst die Eidechsen waren in einer Haltung erstarrt, die einen vor Rätsel über das Gefühlsleben von Reptilien hätte stellen können. "Wenn du nicht aus schwerem Herzen geweint hättest," antworteten sie mir nach einer kurzen Pause gereizt, "wären wir nach dieser Bemerkung gegangen und hätten dich nicht weiter beachtet. So aber bist du einer von uns. Auch wir fürchten uns vor dem nächsten Tag, wissen nicht, was er bringt. Aber wir erfreuen uns an Erinnerungen an schöne Tage und am Augenblick!"


Erleichtert darüber, daß nicht alles um mich herum gestorben war, wie die Liebe zu mir, antwortete ich unbedacht: "Aber die Erinnerungen machen mich doch so traurig. Ich weiß nicht, ob ich je wieder so etwas Schönes erleben werde!"


"Du spinnst!" schrieen mir Eidechsen, Lerchen, Grashüpfer, Blumen, Korn und Gras unisono zu. Der Walnußbaum schien - wie aus Träumen erweckt - nicht mehr ganz bei der Sache zu sein, folgte der Szenerie aber wieder mit wachsendem Interesse. Eine Kornblume, die ihre Blüte schon geschlossen hatte, sagte leise aber eindringlich: "Erfreue dich am Schönen! Hoffe, daß es so oder ähnlich wiederkommt, aber erwarte es nicht! So wie wir uns an der Sonne des Tages erfreuen, ohne zu wissen, ob sie morgen wieder scheint, erfreue dich an schönen Erinnerungen, um die Gegenwart zu ertragen und nutze unangenehme, die Zukunft zu gestalten! Um diese Fähigkeit beneiden wir Pflanzen euch." "Und wir können nicht verstehen, daß du sie nicht nutzt." fügte eine Margerite scheltend hinzu.


Nachtfalter kehrten auf ihrem Weg zum blassen Licht des Mondes zurück, um einen hypnotischen Tanz um meinen Kopf aufzuführen, den ich nach kurzer Zeit kaum noch wahrnahm, da ich schon wieder ins Grübeln kam. Doch nachdem der Kreis in meinem Kopf durchbrochen war, flatterten sie davon, als ob sie einen Teil der Strecke zum Mond aufzuholen hätten und flüsterten mir beim Verlassen zu: "Konzentriere dich immer auf den hellsten Punkt, den du wahrnehmen kannst! Das hat viele von uns ins Leere gelockt, seit ihr Menschen das Licht beherrscht, aber es gibt keine andere Möglichkeit, voranzukommen."


Einige Stunden später senkte sich der Tau bereits langsam über das Land, mir wurde kalt und ich verabschiedete mich dankbar von meinen Freunden, mit denen ich so lange und ergiebig geschwiegen hatte.


"So wie der Tau das Vergehen eines warmen Tages beweint, so ist er doch auch Vorbote des nächsten Sonnenscheins!" murmelte mir der Walnußbaum, der mit mir wenigstens die Eigenart, Offensichtliches auszuplaudern gemeinsam hatte, im Halbschlaf hinterher, als ich bereits widerstrebend erwachte, den Tag über noch etwas verwirrt war und am Abend Mark kennenlernte.



Hannover, 02.05.2003

Letzte Aktualisierung: 7.7.2003

Ich habe die beschriebene Gegend sehr oft besucht - wunderschön!



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